Freitag, 3. März 2017

Alexa total: Amazon Echo und Echo Dot

Amazons Sprachassistentin Alexa begleitet mich in Gestalt von Amazon Echo und Echo Dot schon seit einiger Zeit durch mein Leben. Mittlerweile ist praktisch meine ganze Wohnung verechot, und nachdem mittlerweile auch das eine oder andere Smarthome-Gerät dazugekommen ist, möchte ich heute mal meine Eindrücke und Erfahrungen zusammenfassen, natürlich wie immer speziell aus der Sicht eines Blinden. Dabei wird es heute zunächst einmal um Alexa selbst und um die Echo-Familie und ihr Zubehör gehen. Mit dem Thema Smarthome werde ich mich dann nochmal ausführlicher in einem weiteren Beitrag beschäftigen.


Echo, Dot und Alexa - was ist das eigentlich


Alexa ist die Sprachassistentin von Amazon, also ein sogenanntes "Voice first" System, dass man primär mit der eigenen Stimme steuert. Solche Assistenten und Assistentinnen können dabei viele Aufgaben übernehmen, angefangen von der Musik- und Hörbuchwiedergabe über das Beantworten von Fragen bis hin zum Steuern von Leuchten oder Haushaltsgeräten, sofern diese über entsprechende Intelligenz verfügen. Deutlich erkennbares Vorbild von Alexa ist dabei der Bordcomputer des Raumschiff Enterprise, und Amazon hat mittlerweile sogar das Wort "Computer" als mögliches Aktivierungswort aufgenommen, so dass man einfach "Computer, Musik" sagen kann und Alexa spielt, nun ja, Musik.

Und ja, wie auch alle anderen SprachassistentInnen ist Alexa weiblich. Aber über Gendervorurteile in der Tech-Industrie haben andere ja schon genug geschrieben. Dafür hat die nette Dame von amazon eine äußerst angenehme und hochwertige Stimme, die meinem Empfinden nach der Konkurrenz um einiges voraus ist.

Und so funktioniert es: um eine Anweisung zu geben oder eine Frage zu stellen, muss man diese lediglich mit dem Aktivierungswort beginnen, standardmäßig "Alexa". Die Kommandos reichen dabei von einfachsten "Ich Tarzan" Anweisungen bis hin zu kleinen Konversationen. Einige Beispiele:

  • Alexa, musik
  • Alexa, spiele etwas von Elle King
  • Alexa, spiele mein Hörnuch 2001
  • Alexa, Deckenleuchte ein
  • Alexa, Licht aus (ja, das geht wirklich, muss man nur einrichten)
  • Alexa, wie weit ist es zum Jupiter?
  • Alexa, wann geht heute die Sonne unter
  • Alexa, Nachrichtenzusammenfassung
  • Alexa, welche Termine habe ich morgen
  • Alexa, neuer Termin (den Rest wird man dann gefragt)
  • Alexa, frage Netatmo nach der Luftfeuchtigkeit
  • Alexa, mach leiser oder Alexa, Lautstärke 3
  • Alexa, schreibe Milch auf meine Einkaufsliste
  • Alexa, erinnere mich morgen um 17:00 Uhr an Martin anrufen
  • Alexa, wecke mich morgen früh um 05:30 Uhr
  • Alexa, Timer 30 Minuten
  • Alexa, erzähle mir einen Witz


Alexa selbst wohnt in der Amazon Cloud. Damit man Kontakt mit ihr aufnehmen kann, braucht man also auch ein entsprechendes Endgerät, und da kommen der Echo und der Echo Dot ins Spiel. Beide sind intelligente Netzwerklautsprecher, die über je sieben eingebaute Mikrofone verfügen. Sobald der Echo das eingestellte Aktivierungswort hört (und nur dann), überträgt er die Sprache in die Cloud. Dort wird der Sprachbefehl von einem KI-System analysiert und das Ergebnis an den Echo zurückgegeben, sei es in Form einer Antwort oder in Form einer Anweisung z.B. an ein Smarthome-Gerät.

Hat man mehrere Echos, so stimmen diese sich automatisch untereinander ab und es reagiertt immer der Echo, der einen am besten hört. So lautet zumindest die Theorie. In der Praxis klappt diese Abstimmung nicht immer so perfekt, und manchmal reagiert Alexa auch auf Gespräche, die wirklich nichts mit ihrem Namen zu tun haben. Aber gut, Technik ist genauso wenig perfekt wie die menschen, die sie entwickeln, und Amazon selbst betont ja oft genug, dass Alexa noch viel zu lernen hat.


Die Hardware


Der Echo ist ein vollwertiger Lautsprecher im Format einer größeren Kaffeepaddose, während sein kleiner Bruder Echo Dot im klassischen Pillendosendesign daherkommt und nur einen eher rudimentären Lautsprecher mitbringt. Gedacht ist der Echo Dot für die Kopplung mit einem anderen Lautsprecher oder mit einer Stereoanlage, was sowohl über Bluetooth als auch über die eingebaute Miniklinkenbuchse erfolgen kann. Letztere fehlt dem großen Bruder übrigens.

Die Bedienung der Geräte ist denkbar einfach. Beide verfügen über eine Taste zur Abschaltung der Mikrofone  und über eine Aktionstaste, mit der man manuell einen Sprachbefehl auslösen kann, z.B. wenn es sehr laut ist. Die Lautstärke lässt sich ebenfalls direkt am Gerät ändern, beim Echo mit einem drehbaren Ring an der Oberseite und beim Echo Dot mit Lauter/Leiser-Tasten.

Als Zubehör gibt es eine sogenannte Sprachfernbedienung. Das ist zunächst einmal eine typische Fernbedienung mit Start/Pause, Vor/Zurück und Lauter/Leiser-Tasten. Dazu kommt aber noch eine Aktionstaste und ein eingebautes Mikrofon, mit denen man Alexa ebenfalls Anweisungen geben kann, was beispielsweise bei lauten Parties praktisch sein kann. Die Fernbedienung funktioniert auch dannn, wenn die Mikrofone am eigentlichen Gerät abgeschaltet sind, aber eben nur auf Knopfdruck. Ich persönlich habe zwei dieser Fernbedienungen und ich finde sie klasse, da man mit ihnen zum einen die Lautstärke deutlich einfacher und auch feinstufiger regeln kann als per Sprachbefehl und zum anderen das springen durch Playlisten (titelweise) oder Hörbücher (in 30 Sekunden Schritten) deutlich flüssiger geht.

Preislich liegt der Echo Dot momentan bei 59,99 Euro, der Echo bei 179,99 und die Sprachfernbedienung gibt es für 24,99. Für die eigentliche Nutzung entstehen keine weiteren Kosten. Als Echo-Kunde kann man übrigens auch deutlich vergünstigt Amazon Music unlimited nutzen. Wie erwartet sind auch die Zubehörhersteller fleißig und haben beispielsweise bereits eine Akkustsation für die mobile Nutzung von Echo und Echo Dot herausgebracht.


Verstehst du mich

Generell sind die Mikrofone von Echo und Echo Dot sehr empfindlich und hören recht gut zu, und das auch dann, wenn gerade Musik oder ein Hörnuch läuft. Nach meiner Erfahrung hängt das aber auch ein wenig von der Aufstellung ab. Die Fensterbank konnte mein Echo Dot nicht gut leiden, und natürlich fühlt er sich auch oben auf dem Schrank etwas einsam. Wer ihn aber maximal auf Brusthöhe aufstellt und ein wenig Raum zum atmen lässt, der sollte keine Probleme mit der Reaktionsfreudigkeit haben.


Klangqualität

Klang ist natürlich etwas zutiefst subjectives, aber ich möchte hier einfach mal meinen eigenen Eindruck schildern.

Der Echo selbst hat für seine Preisklasse einen gut definierten Klang mit klaren Högen. Nur die Bässe sind vielleicht ein wenig schwach. Dabei muss man aber die Vergleichsklasse berücksichtigen. Der Echo liegt auf dem Preisniveau eines Bose Soundlink Mini 2, der über einen etwas besseren Klang verfügt, aber eben nur ein Bluetooth-Lautsprecher mit Freisprechfunktion ist, ohne jede weitere Funktionalität, ohne Alexa und auch ohne WLAN.

Beim kleinen Bruder zählt natürlich die Anbindung. Einer meiner Echo Dots hängt per Klinkenkabel an einer recht hochwertigen analogen Stereoanlage, und das produziert auch recht hochwertigen Klang, natürlich immer abjängig davon, was man gerade spielt. Mein anderer Dot kommuniziert per Bluetooth mit dem eben genannten Bose Soundlink Mini 2, und das Ergebnis würde ich mal als völlig in Ordnung klassifizieren. Hier ist aber Vorsicht geboten, der Bose ist zwar ein guter Lautsprecher, abert alles andere als linear und arbeitet mit allen möglichen psychoakustischen Effekten, was einen Klangtest über mehrere Komponenten hinweg zumindest für meine Laienohren sehr schwierig macht. Dokumentation über die von Echo unterstützten Codecs, insbesondere AAC und APTX, habe ich übrigens vergeblich gesucht. Amazon ist hier mal wieder sehr minimalistisch unterwegs.


Die Sache mit dem USB-Anschluss

Während der Echo ein spezielles  Netzteil mitbringt, wird der Echo Dot über einen USB-Anschluss mit Strom versorgt. Hier gleich eine Warnung: der Anschluss ist USB, der Strombedarf aber nicht. Der Echo Dot funktioniert nicht an einem gängigen USB-Netzteil, und der Versuch kann zu sehr eigenartigem Verhalten führen. Nutzt also immer das Original-Netzteil. Dies wird übrigens auch auf der Amazon Supportseite erklärt, was ich allerdings erst nach zwei Tagen intensivem Fluchen herausgefunden habe. Ich weiß, RTFM und so, aber ihr wisst ja, wie es manchmal so geht.


Der Rest der Technikwelt

Alexa steht auch anderen Herstellern offen, und zahlreiche Anbieter haben bereits Geräte mit Alexa-Integration angekündigt, darunter auch Sonus. Alternativ kann Alexa auch über verschiedene Smartphone-Apps ausprobiert werden, wobei diese aber nur einen eingeschränkten Funktioonsumfang besitzen.


Skills


Im Gegensatz zu einigen anderen Sprachassistenten ist Alexa ein offenes System, für das jeder Erweiterungen in Form sogenannter "Skills" entwickeln kann. Dem Nutzer stehen diese direkt in der Alexa-App zur Verfügung, so dass man den Funktionsumfang der eigenen Echos leicht erweitern kann. Der deutsche Skillstore enthält aktuell bereits weit über 500 Skills, und täglich kommen neue dazu. Diese reichen von Sportergebnissen über Mathetrainer bis hin zu Smarthome-Steuerungen. Es gibt viel Unsinn, aber auch vieles Nützliche. Hier einige Beispiele:

  • Apotheken Info
    Welche Apotheke in meiner Umgebung hat gerade Notdienst?

  • Deutsche Bahn
    Reiseauskunft

  • Fleckentferner
    Gibt Tipps, wie man bestimmte Flecken entfernen kann

  • Nachtlicht
    Schaltet auf Kommando den Leuchtring des Echo für eine bestimmte Zeit ein

  • Stoppuhr
    Tut, was draufsteht

  • Donnerwetter
    Spielt Regen- und Gewittergeräusche - sehr beruhigend

  • Pons Wörterbuch englisch
    Einer von mehreren Skills zur Übersetzung, lobenswerterweise mit richtiger Aussprache

  • Status Checker
    Ermöglicht, für zhalreiche bekannte Webseiten abzufragen, ob diese momentan erreichbar sind

  • Tagesschau in 100 Sekunden
    Spielt genau diese

  • MyTaxi
    Lass dir von Alexa ein Taxi rufen


Wo diese Skills zwischen "nützlich" und "Unsinn" stehen, dass ist sicherlich Geschmackssache, aber diese kleine Auswahl gibt einen Überblick über die Möglichkeiten von Skills. Dazu kommen übrigens noch zahlreiche Skills für Smarthomegeräte und -systeme, von Osram über die Telekom bis zu dem schon erwähnten Netatmo, dessen Wetterstationen sich dann ganz bequem per Sprache abfragen lassen.

Im Unterschied zu eingebauten Funktionen muss man bei Skills in der Regel den Skilltitel sagen, damit der entsprechende Skill auch aktiviert wird. So kann man beispielsweise sagen "Alexa, frage Deutsche Bahn nach der nächsten Verbindung von Frankfurt nach Berlin". Damit ist auch sichergestellt, dass nicht jeder Skill alles weitererzählt bekommt, was man seinem Echo sagt.

IFTTT

Eine ganz besondere Erweiterungsmöglichkeit stellt IFTTT dar. Dieser äußerst nützliche Dienst erlaubt es Anwendern ohne Programmierkenntnisse, alle möglichen Abläufe zu automatisieren, im IFTTT-eigenen Jargon "Rezepte" bzw. zukünftig "Applets" genannt. So kann man mit IFTTT beispielsweise seine verschiedenen Profilbilder synchron halten, sich per Mail benachrichtigen lassen, wenn ein Astronaut die Erde verlässt oder das Licht blinken lassen, sobald jemand einen seiner Facebook-Posts kommentiert. Okay, meine Beispiele sind vielleicht etwas lebensfremd, aber dass ist auch irgendwie der Punkt: man kann verschiedenste ereignisse mit Aktionen zusammenschalten. Und genau das funktioniert auch mit Alexa, sobald man IFTTT entsprechend Zugriff gibt. So kann man sich beispielsweise mit einem voreingestellten Rezept die Alexa Aufgabenliste zumailen lassen, sobald man nach deren Inhalt fragt (es gibt hierfür sogar zwei Rezepte, aber aufgepasst, das eine will völlig unnötigerweise Vollzugriff auf das E-Mailkonto, während das andere einfach die Mail sendet). Wer diese Funktionen nutzen will, muss allerdings englisch können, die App ist bisher nicht in deutscher Sprache verfügbar.

Die Möglichkeiten von IFTTT in Zusammenhang mit Alexa sind praktisch unerschöpflich, und selbst einfachste Rezepte wie beispielsweise neue Einträge der Alexa Aufgabenliste in eine Liste der iOS Erinnerungen zu schreiben sind überaus praktisch. Es gibt ümittlerweile brigens hunderte vorgefertigter Rezepte, mit denen man alle möglichen Aufgaben des Alltags mittels Alexa ausführen kann, und eigene sind ebenfalls schnell zusammengestellt. Leider kann IFTTT momentan aber pro Befehl immer nur eine Aktion auslösen, es sei denn, man steigt tiefer ein und programmiert die Aktionen. Das ändert sich aber gerade, und ich stehe bereits auf der Liste zum testen der neuen Funktion. Sobald man mehrere Aktionen auf einmal steuern kann, wird es besonders beim intelligenten Licht richtig interessant. Ich werde dann berichten.


Alexa und das Amazon-Universum


Als Amazon-Produkt arbeitet Alexa natürlich am besten mit den hauseigenen Diensten zusammen. So klappt die Zusammenarbeit mit Amazon Prime Music bzw. Amazon Music unlimited reibungslos. Aber auch Spotify und TuneIn stehen bereits auf der Liste unterstützter Dienste, und da dürfte sicherlich noch vieles dazukommen.

In Sachen Hörbücher ist Audible natürlich voll dabei, und es gibt einen bei mir ausgegrauten Punkt namens "Bücher", dessen Bedeutung ich nicht kenne. Kindle-Bücher kann Alexa übrigens noch nicht vorlesen, aber hier darf man vielleicht uf die Zukunft hoffen.

Über die Skills lassen sich außerdem eine stetig wachsende Zahl von Radiosendern und anderen Musikdiensten, sowie auch immer mehr Podcasts integrieren. Als Nutzer von AMazon Music Unlimited habe ich hier oersönlich aber keinen echten Bedarf, und fürs Radiohören ist TuneIn ja bereits eingebaut.


h4>Shopen per Sprachsteuerung
Berühmt geworden ist Alexa unter anderem durch einige mehr oder auch weniger lustige Missgeschicke in Sachen Einkaufen (muss ich noch das Wort Puppenhäuser erwähnen), was ich ich allerdings für etwas unfair halte. Genau dafür ist Alexa ihres Stammbaums zum Trotze nämlich eher schlecht geeignet. Okay, man kann grundsätzlich seinen Nachschub an Küchentüchern oder Kaffeepulver per Alexa bestellen, aber dank der Vielfalt an Produkten, Optionen und Verpackungsgrößen sind Unfälle und suboptimale Produktauswahl geradezu vorprogrammiert. Bei meinen Echos ist die Einkaufsfunktion  abgeschaltet, was auch die Voreinstellung war (nachschauen lohnt sich aber auf jeden Fall). Das hält auch Nachbarskinder und andere schlaue Menschen davon ab, mit Alexa potentiell kostspielige Späße durchs gekippte Fenster oder durch die Wohnungstür hindurch zu treiben. G Data sieht hier schon eine Welle an völlig neuartiger Malware auf uns zurolllen, und ich bin mir nicht sicher, ob sie da so ganz Unrecht haben, und ob nicht so mancher zukünftige Trojaner doch wieder zwei Beine hat.


Alexa im Alltag - Intelligenztest


Ich habe bereits einiges an Erfahrung mit KI-basierten Assistenten sammeln können, allen voran Alexas Konkurrenten Siri und Cortanna, aber auch mit Chatbots wie Microsofts Zoo und anderen Vertretern der Spezies. Und während alle verfügbaren Sprachassistenten ihre ganz eigenen Stärken und Schwächen haben, so schlägt sich Alexa im Alltagsvergleich doch ziemlich gut. Beim Beantowrten von Fragen hapert es zwar noch etwas, und oft muss man die Frage auf eine bestimmte Weise formulieren, aber solche Schwierigkeiten haben auch andere Systeme Und in der Zeit, in der ich Alexa nutze, hat sich hier auch schon einiges getan, insbesondere was die für solche Systeme leider typischen Schwächen bei der Erkennung fremdsprachiger Begriffe angeht.


Eier suchen mit Alexa


Wie es sich für High-tech mit Science Fiction Vorbild gehört, strotzt Alexa natürlich nur so vor Ostereiern, angefangen beim Klassiker "Tee, Earl Grey, heiß" ("Ich bin kein Replikator"). Und weiter geht es mit Star Wars, 2001 Odyssee im Weltraum, Per Anhalter durch die Galaxis, Spiel mir das Lied vom Tod, Matrix und zahlreichen anderen Klassikern. Und singen kann sie auch, die Alexa, von Happy Birthday bis zu Weihnachtsliedern. Dazu kommen Münzen werfen, Würfeln und Schere, Stein, Papier, und bestimmt noch viele Dinge, die noch keiner entdeckt hat. Selbst Shakespeare und Goethe werden auf Wunsch zitiert.

Dabei fällt positiv auf, dass Amazon seine Ostereier nur dann herauskramt, wenn man nach ihnen fragt, und ansonsten einfach das tut, was man ihr sagt. Da könnte sich ein gewisser Wettbewerber mit seinen ziemlich peinlichen Versuchen der Vermenschlichung seiner Sprachassistenz noch eine Scheibe abschneiden.

Wer noch mehr über Alexas Ostereier erfahren möchte, dem empfehle ich, einfach mal auf YouTube nach "Alexa Ostereier" zu suchen. Ein besonders interessantes Ostereier-Video mit Vergleich zwischen deutscher und englischer Alexa, gemischt mit ein wenig Siri, gibt es hier.


Die Alexa App


Um einen Amazon Echo einzuurichten und zu verwalten, benötigt man die Alexa App, die es aktuell für iOS und Andoid gibt. Ich benutze die App aktuell auf einem iPhone 7 unter iOS 10.

Fangen wir mal mit der Zugänglichkeit an. Diese ist ein kleinwenig kippelig, aber insgesamt lässt sich die App mit VoiceOver einigermaßen bedienen. Die wesentliche Macke ist das springen des Fokus beim Berühren des Bildschirms, was teilweise zu Verschiebungen führt. Die zweite wesentliche Macke betrifft das Navigationsmenü in der linken oberen Ecke. Dieses reagiert manchmal nicht auf den Doopel-Tap. In diesem Fall kann man einmal nach rechts streichen, einen Doppel-Tap auf der (auf dem Startbildschirm funktionsfreien) Überschrift ausführen und dann wieder zurpcj bacg links streichen, dann geht es überlicherweise wieder. Falls einer der "Zurück" Knöpfe hängt, so kann man den Sprung zur vorigen Seite auch durch ein Anklicken der Überschrift auslösen. Das klingt anfangs vielleicht etwas kompliziert, aber man gewöhnt sich schnell daran.

Gekaufte Echos tauchen automatisch in der App auf, man muss sie dann aber natürlich noch einrichten. Der Einrichtungsassistent ist dabei sehr einfach und gibt der Reihe nach gut verständlich die nötigen Anweisungen. An einer Stelle wird auf die Farbe abgestellt, mit der der Ring am oberen Ende des Echo leuchtet. Wer das nicht ausmachen kann, der wartet einfach eine Minute oder so, dann sollte es soweit sein. Meistens sagt der Echo aber ohnehin von sich aus bescheid, sobald er einrichtungsbereit ist. Und selbst wenn man etwas zu früh ist, passieren tut nichts, man wiederholt den Schritt einfach etwas später.


Privatsphäre


Die Diskussion um Alexa und die Privatsphäre ist natürlich richtig und notwendig. Gleichzeitig finde ich sie aber auch zutiefst erheiternd. Viele Verbraucherschützer echoffieren sich gerade über die Anwensenheit eines Mikrofons im eigenen Wohnzimmer, und all die die Gefahren, die daraus erwachsen mögen. Auf diese Gefahren will ich hier nicht weiter eingehen, aber vielleicht sollte man mal etwas über das Thema Mikrofone im Wohnzimmer nachdenken. Ja, Echo hat Mikrofone. Genau wie der Bluetooth-Lautsprecher, das Smartphone, das Telefon, das Smart-TV, der Laptop und das Tablet. Und selbst eine Netatmo Wetterstation hat ein eingebautes Mikrofon, damit sie den Schallpegel messen und brav an die Cloud senden kann. Wie immer, wenn selbsternannte Sicherheitsexperten sich pressewirksam mit neuer Technik auseinandersetzen, wird auch hier aktuell viel dramatisiert, polemisiert und aus dem Zusammenhang gerissen. Wer eine sinnvolle Diskussion über die möglichen Probleme führen möchte, der muss nunmal auch tausende von teils recht dubiosen Smartphone-Apps einbeziehen, Apple mit Siri und "Hi Siri", SmartTVs, deren dilletantismus in Sachen Sicherheit in der Branche mittlerweile ein Kettenwitz geworden ist und so manches andere, was wir selbstverständlich akzeptiert haben, und das technisch weitgehend die gleiche Funktion hat.

Aber was tun, wenn man als begeisterter Alexa-Nutzer dann doch einmal ganz sicher sein mlchte, dass man wirklich alleine ist? Da wäre zum einen die Taste zur Abschaltung der Mikrofone. Leider habe ich bisher noch keine seriöse Analyse gelesen, ob diese ein echtes Stück Hardware ist oder ob sie sich per Software umschalten lässt. Die Gerüchteküche sagt das erstere, die Erfahrung das Gegenteil. Hilfreich ist sie aber auf jeden Fall, da sie zumindest versehentliche Aufzeichnungen wirkungsvoll verhindert.

Und wer sich wirklich sicher sein will, dem bleibt immer noch die radikale Lösung: Strom aus. Das geht zum Beispiel über schaltbare Steckdosen oder Steckeradapter, oder ganz komfortabel über smarte Steckdosen. Mit letzteren kann man dann auch einen ganzen Echo-Zoo geschlossen abschalten, sei es per App oder per smartem Schalter. Nur eines sollte der sicherheitsbewußte Smartstromtrenner bitte nicht tun, und zwar seine smarten Steckdosen oder deren Cloud-System mit Alexa verknüpfen. Das könnte diese nicht unerhebliche Investition schnell ad absurdum führen.


Was fehlt


Wünschenswerte Funktionen sind natürlich sehr individuell, aber ich möchte trotzdem einige Dinge nennen, die ich aktuell vermisse.

  • Fortsetzung der Wiedergabe eines Echos auf einem anderen Echo
    Falls man den Raum wechselt

  • Parallele Wiedergabe von Inhalten auf mehreren Echos
    Falls man mal zwischen Küche und Wohnzimmer pendelt...

  • Besserer Funktionsumfang für Audible
    Insbesondere Anpassung der Wiedergabegeschwindigkeit und flexibles Springen, z.B. "fünf Minuten vor"

  • Zuweisung von Smarthome-Gruppen zu bestimmten Echos
    Dann würde "Licht an" in jedem Raum gehen und immer das passende Licht einschalten, was Echo auch für Fremde spontan nutzbar machen würde.

  • Songs zu eigenen Playlisten hinzufügen
    Das ist momentan definitiv zu umständlich, selbst für Music unlimited Abonennten. Man kann den Song nur der eigenen Bibliothek hinzufügen und muss ihn dann später per App händisch in die gewünschte Playlist aufnehmen.

  • Bessere Möglichkeit zum Training der Spracherkennung
    Aktuell ist das doch etwas grobmotorisch.

  • Flexibles Aktivierungswort
    Von den vier vorgegebenen Begriffen kommen drei in der Alltagssprache vor und sind daher nicht wirklich alltagstauflich. Ein individuelles Aktivierungswort wäre hier ideal und würde auch den Spaßfaktor deutlich erhöhen

  • Einstellbare Gesprächigkeit
    Anpassung, wie viel Feedback Alexa geben soll. Je länger man es nutzt, desto mehr geht einem das "Hier ist ein Radiosender, der dir vielleicht gefällt" auf die Nerven.


Die App braucht ebenfalls noch etwas Pflege. Manchmal lassen sich Inhalte einfach nicht per Sprachbefehl aufrufen, beispielsweise Hörbücher, deren Titel Kunstworte sind. Diese kann man zwar per App starten, aber das dauert ewig, es gibt keine Suchfunktion und die Liste ist nicht sortierbar. Hier sollte Amazon schnellstens das Betatest-Denken aufgeben und eine echte App liefern. Alternativ wäre es toll, von der Audible-App aus einen Echo ansteuern zu können.

Auf der Skill-Ebene habe ich natürlich auch eine lange Wunschliste, aber da wird sich in kürzester Zeit sehr viel tun.


In der Praxis


Die Wirkung, die Alexa in meinem Alltag entfaltet, ist gleichzeitig sehr interessant und etwas schwer zu beschreiben. auf eine "braucht man das" Diskussion werde ich mich bsicher nicht einlassen, denn diese Frage ist in absolut jedem Fall mit "Nein" zu beantworten. Interessant ist dagegen die Frage "mach dies mein Leben besser", und für mich lautet die Antwort hier definitiv "Ja". Dabei geht es nicht so sehr darum, was Alexa kann (auch wenn dies durchaus beeindruckend ist), sondern vielmehr darum, wie einfach und natürlich sich diese Möglichkeiten in den Alltag integrieren.

Es ist einfach etwas anderes, wenn man auf dem Weg in die Küche mit dem Tablett in der Hand einfach "Alexa Pause" sagen oder mit einer kurzen Anweisung die Beleuchtungsatmosphäre umstellen kann, anstatt jedesmal sein iPhone in die Hand nehmen und ggf. noch die passende App starten muss. Ich jedenfalls finde es klasse, wenn ich morgens schlaftrunken ins Bad taumeln und meine Aufwachhilfe einfach mit "Alexa, Musik" starten kann, anstatt mich schon vor dem eigentlichen Aufwachen mit dem iPhone und einem Bluetooth-Lautsprecher auseinandersetzen zu müssen.

Und das gilt natürlich umso mehr für Blinde. Alexa bringt hier ungeanhnte Bewegungsfreiheit und befreit einem von dem ständigen "wo iPhone" Dilemma, oftmals gefolgt von welche App" und "Wo ist App", wiederum gefolgt von Tauchgängen in irgendwelchen Menüstrukturen.

Auch die Musikauswahl ist für die meisten Alltagsansprüche deutlich einfacher per Sprache zu regeln, immer vorausgesetzt, es geht um Musikstreaming. Wenn es natürlich etwas ganz bestimmtes sein soll, dann kommt Alexa an ihre Grenzen. Konversatzionen nach dem Motto "Alexa, da gibt es doch diese total geniale Aufnahme von Cowgirl in the sand von Neil Youngs Akustik-Tour durch Kanada damals in den 70ern, welches Album ist das nochmal?" sind für sämtliche Sprachassistenten heute noch reinstes Science Fiction. Richtig gut klappt es dagegen mit dem Entdecken von Musik und dem Vorgeben grober Richtungen. Wer "Alexa, spiele" sagt, gefolgt von "Aktuelle Hits", "Musik mder 80er", "meine Playlist Favoriten", "etwas von Alice Merton" oder "Jazz", der wird prompt bedient.

Was Alexas Wissen angeht, so ist es tiefgreifend, aber selektiv. Dafür kann sie aber recht ordentlich rechnen und kennt sich auch in Deutshland schon rechtr gut aus.

Und dann wären da noch die Skills, un deren Möglichkeiten sind schon jetzt schwer zu überblicken. Vieles ist noch in Planung, aber der Funktionsumfang ist bereits heute sehr beeindruckend. Und wenn der eine oder andere Hersteller noch etwas an seinen Phrasen arbeitet, dann wird die Bedienung noch deutlich natürlicher werden.

Ich bin also durchaus glücklich mit meiner Investition und nutze Alexa für immer mehr Aufgaben in meiner Wohnung. Und auch wenn sie manchmal ein wenig begriffsstutzig ist, meine schlaue Assistentin möchte ich definitiv nicht mehr missen.


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