Montag, 16. September 2013

Die Sache mit der Sonnenbrille

"Warum tragen Blinde eigentlich immer Sonnenbrillen?" ist eine häufig gestellte Frage. "Immer" ist natürlich übertrieben, aber es gibt da durchaus eine statistische Häufung. Hier einige Aspekte - für Sehende, die sich fragen, und vielleicht auch für Blinde, die noch keine Sonnenbrille tragen.


Die Sonnenbrille ist zunächst einmal ein Schutz für die Augen. Ohne diesen droht schmerzhafte Bekanntschaft mit tiefhängenden Ästen und anderen spitzen Gegenständen auf Kopfhöhe - keine Erfahrung, die man unbedingt machen muss.

Die Sonnenbrille in Kombination mit Langstock oder Führhund ist ein Klischee, und damit erleichtert sie den Sehenden ungemein, eine Person spontan als Blind zu identifizieren. Zur besseren Nutzung meines Sehrestes sollte ich eigentlich eine normale Brille tragen, aber ich bevorzuge meist die Sonnenbrille, da es die Unfallgefahr deutlich reduziert.

Die Sonnenbrille kann auch psychologisch eine Schutzfunktion übernehmen. Viele Blinde bevorzugen die Sonnenbrille, da sie eine gewisse Barriere zur Umgebung aufbaut und das (anfangs weit verbreitete) Gefühl reduziert, angestarrt zu werden.

Manche Blinde sind (wie ich) schlicht extrem lichtempfindlich

Bei manchen Blinden sehen die Augen nicht sehr attraktiv aus, und es ist angenehmer für ihre Umgebung, wenn diese Person eine Sonnenbrille trägt.

Wenn ein Blinder sein Gesicht einem Sehenden zuwendet, so hat dieser oft das Gefühl, direkt angeschaut zu werden, und fällt unwillkürlich in Minik und Körpersprache zur Kommunikation zurück. Ich hatte damit reichlich zu kämpfen, bis ich auch drinnen meistens die Sonnenbrille aufbehalten habe.

Habe ich etwas vergessen? Lasst es mich wissen!

1 Kommentar:

  1. Ich finde das sehr interessant...Ich dachte immer das das nur wegen der Lichtempfindlichkeit ist.

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